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Ganz oder gar nicht

19. Juni 2012

Warum komplexes Cloud Computing am besten als End-to-End-Lösung funktioniert.

Wir werden nicht die 10 000ste Geschichte über Cloud Computing erzählen. Bevor wir jedoch den Hype für beendet erklären, möchten wir die Cloud wirklich verstanden wissen. In Gänze, von „End-To-End“. Beginnend mit der Frage: Warum Unternehmen – mit welchem „Gepäck“ – den Schritt in die Wolke überhaupt gehen wollen. Bis hin zum Verständnis, warum die Cloud am besten funktioniert, wenn Unternehmen sie als Kette aus vier Bausteinen mit ihren eigenen Prozessen und den darin arbeitenden Menschen verknüpfen. Entlang der Schnittstellen von Server- und Storage-Infrastrukturen samt Netz, Applikationen und Endgeräten.

Komplexe Legacy-Anwendungen

Spätestens wenn es darum geht, komplexe Legacy-Anwendungen zu migrieren, unterschiedliche Datenbestände zu integrieren oder Applikationen mobil zu machen, trennt sich unter Cloud-Providern die Spreu vom Weizen. Denn dann geht es darum zu verstehen, auf welche Punkte es wirklich ankommt. Und zwar um einen ganzheitlichen Cloud-Ansatz, der die wechselseitige Abhängigkeit der IT-Architektur berücksichtigt sowie die Prozesse, Sicherheit und Verfügbarkeit umfasst. Nur so wird IT zum Unterstützer und Beschleuniger des Business.
Drei Unternehmen haben wir ausgesucht, die Cloud Computing da betreiben, wo es spannend wird:
 

Duropack: IT-Ressourcen sicher verpackt

Die Welle zwischen WAN und Applikation.

Mit Wellen kennt sich Dietmar Fink aus. Sie sind es, die Pappe zu einem äusserst stabilen Verpackungsmaterial machen. „In Wellen verläuft auch ein Grossteil unseres Datenverkehrs, was unserem erklärten Businessziel regelmässig im Wege stand“, so der IT-Chef des österreichischen Wellpappenkonzerns Duropack. Das Unternehmen fertigt an 18 Standorten in zehn europäischen Ländern von der Geschenkbox bis zum schwerlasttauglichen Palettencontainer mehr als 1500 verschiedene Transport- und Verpackungsprodukte. Für seine Distribution hat der Konzern einen outgesourcten Fuhrpark, dessen Management – eingebunden in die Logistikkonzepte der Duropack- Kunden – die Einhaltung kürzester Lieferzeiten sicherstellen muss. „Für uns wurde eine zuverlässige Kommunikation und Zusammenarbeit unserer internationalen Standorte mehr und mehr essenziell“, so Dietmar Fink. „Im Kern ging es darum, unsere IT-Prozesse zu beschleunigen und so die Produktivität zu erhöhen.“

Limitierter Datendurchsatz

Vor allem bei komplexen Applikationen wie dem individuellen Produktionssteuerungssystem war der Datendurchsatz sehr limitiert. Gleiches galt aber auch zu den frühmorgendlichen Stosszeiten, wenn die Office-User in den Duropack-Standorten ihre Arbeit aufnehmen oder wenn überdurchschnittlich viele Finanzdaten für die Monats- und Jahresabschlüsse Richtung Konzernbuchhaltung eingespeist wurden.

Verfügbarkeit der Applikationen erhöhen

Für Dietmar Fink stand fest: „Wir mussten die Bandbreite unserer Netze optimieren und die Verfügbarkeit der Applikationen erhöhen.“ Konkret ging es um eine Lösung, die die Datenübertragung und Anwendungen im WAN beschleunigt, die Konsolidierung der Applikationen erleichtert und über mehr Transparenz im Unternehmensnetzwerk die TCO (Total Cost of Ownership) reduziert. „Ausserdem brauchten wir eine neue Verkehrslogik, die anhand individueller Priorisierung erkennt, welche Daten mit welcher Geschwindigkeit befördert werden müssen“, so der IT-Chef. APM: Komprimierungsrate von 70 ProzentMit seinem IT-Provider T-Systems setzte Dietmar Fink Mitte 2011 ein Application Performance Management auf das fünf Jahre zuvor eingeführte MPLS-Netzwerk des Konzerns und kann heute feststellen: „Damit schafften wir den Durchbruch.“ Konkret erreicht das Unternehmen mit APM eine Komprimierungsrate von 70 Prozent, die seinen Datenstrom im WAN drastisch reduziert, kann die Bandbreitennutzung um 75 Prozent runterfahren und profitiert von einer deutlich verbesserten Applikationsleistung bei allen bestehenden IT-Anwendungen. „Die hohe Mitarbeiterzufriedenheit, die wir seither anhand der Feedbacks aus den Standorten feststellen, ist das eine“, so Fink. Wichtiger aber noch sind dem IT-Chef „die CMC Statistic Reports, die messbar machen, wie problemlos unser Datenverkehr heute läuft.“

Bremsklötze beiseite geräumt

Die von T-Systems eingesetzte APM-Lösung Central Management Console (CMC) ermöglicht eine zentrale Konfiguration, Verwaltung und Berichterstellung zu allen Applikationen. „So behalten wir ständig die Übersicht über die den Anwendungen zugrunde liegende Performance, die über unser WAN läuft“, erklärt der IT-Chef. So spielt „auch der normale Flaschenhals, dass Netze mit zunehmender Distanz immer träger werden, für uns praktisch keine Rolle mehr.“ Doch funktioniert das Netz als Rückgrat aller Cloud Services problemlos, sollten auch auf Applikationsseite mögliche Bremsklötze beiseite geräumt werden.

Netze und Applikationen aufeinander zugeschnitten

Dafür muss jede Änderung der Anwendungslandschaft gut vorbereitet werden. Beispiel E-Mail-Verkehr. Erfolgt die Kommunikation wie bei Duropack zwischen Client und Server verschlüsselt, muss das APM alle Spezifikationen der Anwendungen, etwa den Verschlüsselungscode, kennen. „Nur weil wir Netze und Applikationen aufeinander zugeschnitten haben“, so Dietmar Fink, „können wir über die technischen Ziele auch unsere Businessprozesse optimieren. Und die lauten: reduzierte Kosten im Betrieb und Steigerung der Produktivität.“
 

Magna: Wachstum am Fliessband

PaaS als Brücke zwischen Storage und Applikationen.

Meerane in Sachsen, direkt neben der Autobahn vier. Mit „seiner“ Baustelle auf dem 50 000 Quadratmeter grossen Gelände ist René Schreiner zufrieden: „Alles im Zeitplan“, stellt der IT-Manager des Automobilzulieferers Magna fest. Hier, vor den Toren von Zwickau, will der Magna-Kunde Volkswagen ab September den neuen Golf vom Band laufen lassen. Bis dahin koordiniert René Schreiner die IT-Anbindung eines neuen Werks für die Stossfänger-Produktion der Modellreihe VII des erfolgreichsten Autos der Welt. Die dafür zu Schaffenden 250 neuen Arbeitsplätze des Zulieferkonzerns müssen auf den Tag genau produktionsfähig sein. Denn die Anlieferung im VW-Werk erfolgt just in time – jeder Stossfänger wird direkt ans Band zu einem bestimmten Golf geliefert.

IT für mehrere Hunderttausend Zulieferprodukte

Ob „nur“ 100 verschiedene Stossfänger in Meerane oder 2000 Varianten der Innenverkleidung einer Mercedes-Tür im Daimler-Werk in Bremen – die Ressourcenplanung der IT für weltweit mehrere Hunderttausend Zulieferprodukte fordert René Schreiner und seine IT-Kollegen täglich aufs Neue. Zumal der Konzern vor allem durch Mergers & Acquisitions Jahr für Jahr seine Marktposition ausbaut. Beide Businessziele, Wachstum und unterbrechungsfreie Zulieferung zu den eng getakteten Produktionsprozessen der Automobilhersteller, so Schreiner, „erfordern IT-seitig die schnelle Bereitstellung von Storage- und Server-Leistungen sowie die Hochverfügbarkeit unserer für die Autoteile-Fertigung eingesetzten Applikationen.“

Permanente Ausweitung des Sortiments

Denn im Ergebnis seiner Geschäftsstrategie und der nahezu permanenten Ausweitung seines Sortiments stattet das Unternehmen mitunter innerhalb weniger Wochen neue Fertigungsstätten IT-produktionsfähig aus oder bindet übernommene Firmen in Rekordzeit in die eigenen Infrastrukturen ein. Allein 17 solcher Greenfield-/Brownfield-Projekte managen Schreiner und seine Kollegen in diesem Jahr. Und nur in der Cloud lassen sich IT-Ressourcen so skalieren, wie die extrem wechselnden Bedarfe von Magna es erfordern. Und dies mit virtualisierten Storage- und Server-Leistungen, wie sie der Automobilzulieferer seit 2011 von T-Systems bezieht. „Über die offenen Schnittstellen der standardisierten PaaS-Systeme integrieren wir jederzeit Anwendungen und Endgeräte bei der Inbetriebnahme einer neuen Fertigungsstätte“, bestätigt Schreiner.

Auf den Cloud-Computing-Betrieb vorbereiten

An der Schnittstelle zwischen Storage, Betriebssystemen und Software liess Magna von T-Systems zunächst sämtliche Anwendungen konsolidieren und auf den Cloud-Computing-Betrieb vorbereiten. Für Modernisierung und Anpassung etwa von Legacy-Systemen, auf die René Schreiner bei nahezu jeder Firmenübernahme trifft, nutzt das Unternehmen ein Application Management & Modernization (AMM), das die Alt- Systeme konsolidiert und deren Umzug in die Cloud möglich macht.

Einheitliches und durchgehendes Qualitätsmanagement

Doch für den reibungslosen Betrieb aller Cloud-Bereiche hält René Schreiners „Team-Chef“, Magnas IT-Director Europe Alexander Stamm, noch einen weiteren Punkt für entscheidend: „Die mit T-Systems ausgehandelten SLAs. Mit denen bekommen wir ein einheitliches und durchgehendes Qualitätsmanagement, das die zugesagte Hochverfügbarkeit der Systeme gewährleistet, ohne dass sich an einer der Schnittstellen ein Flaschenhals bildet.”
 

Deutsche Telekom: Bewegung im Vertrieb

iWorld@DT und AppWorld@DT – Schnittstellen zwischen Netz, Anwendung und Device.

Schon während des Kundengesprächs prüft Kai Kyhrt die Verfügbarkeit und Lieferzeit mit seinem iPad. „Wir können sogar eine Woche früher liefern“, bestätigt Kyhrt dem IT-Chef seines Kunden, der daraufhin die Bestellung in Auftrag gibt. Noch bevor er wieder ins Auto steigt, schliesst Sales Manager Kyhrt den Bestellvorgang ab und stösst automatisch den internen Logistikprozess an.

Mobiler Zugriff auf aktuelle Daten

So wie der Telekom-Accounter aus Darmstadt werden in drei Jahren laut IDC mit 1,3 Milliarden Menschen fast 40 Prozent der berufstätigen Bevölkerung weltweit mobil arbeiten – per Smartphone und Tablet-PC. Geht es um eine VoIP-Telefonanlage, den Anschluss an ein neues, megaschnelles Glasfasernetz oder die Präsentation eines Telekonferenzsystems: „Für den Erfolg unserer Beratungs- und Verkaufsgespräche“, so Kyhrt, „spielt der Zugriff auf aktuelle Daten und entsprechende Anwendungen eine immer grössere Rolle. Für uns ein echter Wettbewerbsfaktor.“

Enterprise-App-Store

Anhand eines Enterprise-App-Stores stellt die Deutsche Telekom ihren Mitarbeitern seit Anfang des Jahres 15 Anwendungen aus der Cloud zur Verfügung. Von ERP- und CRM-Anwendungen für die Auftragseingabe vor Ort bis zu den Reporting-Zahlen für das Top-Management. So haben die Mitarbeiter auch mobil Zugriff auf aktualisierte Angebots- und Lieferdaten, Updates von Sales-Präsentation und Verkaufsstatistiken. „Es wird bei uns nicht für alles eine App geben“, sagt Dr. Harald Pietsch, Head of Integration Management der Telekom-Tochter. „Wir werden aber gezielt deren Innovationspotenzial für Smartphones und Tablets für die Mobilisierung unserer Unternehmensprozesse nutzen.“

Wie werden geschäftskritische Firmendaten geschützt?

Sicherheit steht dabei an erster Stelle. Unabhängig vom Betriebssystem und Endgerät. Der Trend BYOD findet sich in der Telekom genauso wie in anderen Unternehmen. Und wirft auch immer die gleichen Fragen auf: Wie werden geschäftskritische Firmendaten geschützt? Wie Privates von Beruflichem getrennt? Und wie bleiben wertvolle Informationen im Falle von Verlust oder Diebstahl der Endgeräte geschützt? Über eine gesicherte Mobility-Plattform greifen Vertriebsmitarbeiter wie Kyhrt auf Daten und Anwendungen zu. Die gesamte Kommunikation erfolgt dabei verschlüsselt über eine Private Cloud. Für die nötige Datentrennung sorgt das Mobile Device Management. Während Mitarbeiter unkritische Daten, zum Beispiel Produkt Präsentationen, auf ihren Devices speichern, werden geschäftskritische Informationen wie Kunden- und Auftragsdaten nach jeder Bearbeitung ausschliesslich in der Private Cloud hinterlegt. Und wenn einmal ein Endgerät verloren geht, lässt es sich per Fernabschaltung sichern.

Mobility-Lösung von A bis Z aus einer Hand

„Für Unternehmen kann allerdings entscheidend sein“, sagt Hagen Rickmann, in der T-Systems-Geschäftsleitung unter anderem für das Portfolio- und Innovationsmanagement verantwortlich, „dass sie ihre gesamte Mobility-Lösung von A bis Z aus einer Hand bekommen. Die Integration und der Betrieb mobiler Endgeräte in bestehenden Systemen erfordern einen End-to-end-Ansatz. Smartphones und Tablet-PCs müssen mit den Backendsystemen und Geschäftsanwendungen in Verbindung stehen. Sonst funktionieren sie nur als isolierte Einheiten und tragen kaum spürbar zur Verbesserung der Geschäftsprozesse bei. Eine solche Komplettlösung bieten wir als Mobile Workplace Services an. Ebenso ein Mobile Device Management aus der Cloud zur eigenen Verwaltung der Endgeräte durch ein Unternehmen – beides zum Festpreis.“
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Lesen Sie mehr zum Thema in der Best Practice Ausgabe 02/2012. Das neue Heft erscheint am 27. Juni 2012.

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