Eine Frage der Disziplin
Pionierdenker verkünden lange den Niedergang der 9 bis 5-Arbeit. Bis jetzt ist der dank Konservatismus und gesellschaftliche Feigheit noch nicht eingetreten. Das ändert sich. Mein Leben als Beispiel: Mit 15 Jahren habe ich das Gymnasium geschmissen und wurde als unveröffentlichter Schriftsteller „selbstständig“. Inzwischen erscheinen auch Romane, doch Zweck war nicht das Resultat sondern vielmehr die Reise.
Dem unimaginativen Schulsystem wollte ich entkommen, welches trotz Internet, Globalisierung und der post-Industriellen Revolution noch immer eine Arbeiterschicht mit Grundfähigkeiten rüsten will, um Rädchen in Moneymaking Machines hervorzubringen. Und dabei eine ganze Generation in Gussformen giesst, inklusive der 9 bis 5-Mentalität.
Kein Wunder, dass diese Lernweise – und ihre Funktion – der von Robotern ähnelt. Roboter aber lassen sich besser programmieren als Menschen, also wie viele von uns werden in Zukunft (so) arbeiten? Die Frage sollte daher nicht nur lauten: Können Menschen ihrer Firma besser dienen, wenn sie flexibler und glücklicher sind? Sondern vielmehr auch: Wie muss sich die Wirtschaft ändern, um Menschen zu unterstützen, produktiv und kreativ zu sein? Schließlich ist der Beruf nicht dazu da, Geld zu verdienen, sondern sich als Mensch zu entfalten.
Geprägt von Frederick Taylor’s Arbeitswissenschaft hat man das Schichtdenken der Fabrik ins Büro importiert, damit Angestellte miteinander reden, arbeiten und Kontakte pflegen konnten. Das war, auf altmodische Art, sehr effizient. Internationale Geschäfte in verschiedenen Zeitzonen sowie einfache und billige Kommunikations- und Reisemittel befreien uns von diesem Struktur-Monopol. Würden Sie lieber Ihre Arbeit kontrollieren, oder sich von ihr kontrollieren lassen?
Offensichtlich haben nicht alle die gleichen mentalen und physischen Rhythmen. Manche sind Frühaufsteher, andere „nachtaktiv“. Einfälle kommen unter der Dusche. Abwechslung fördert Innovation, doch Mitarbeiter-Gemeinschaft darf nicht fehlen. Es erfordert mehr Disziplin, sein eigener Chef zu sein, aus Trägheit, nicht Faulheit. Fazit: Flexibilität ja, Strukturlosigkeit nein!
Meines Erachtens ist die Diskussion über Arbeitsort und -zeiten längst überfällig, und wahrlich inkonsequent aus Sicht der kommenden Revolutionen. Es muss eine viel grundlegendere Überlegung stattfinden. Wir müssen uns entscheiden: Wurde der Mensch für die Arbeit gemacht, oder die Arbeit für den Menschen?