Herr Kolanoski, Bloggen mit Mitarbeitern – schon zum zweiten Frühstück, erst in der Mittagspause oder besser nach Feierabend?
Ich blogge tagsüber, vor allem während der Arbeit, aber auch mal nach Feierabend, um den Tag Revue passieren zu lassen. Bei 50 Standorten zwischen Kiel und Freiburg ist es nicht so einfach, den Kontakt zu den Beschäftigten zu halten. Das Vorstandsblog im neuen Intranet ist ein nützliches Tool, um Inhalte zu vermitteln oder auch mal ein persönliches Statement abzugeben. Und natürlich macht es auch Spaß. Ich bekomme Kommentare von Mitarbeitern aller Hierarchiestufen, erfahre, was sie bewegt und kann schnell reagieren. Am Anfang hatte ich Bedenken, dass ich 100 Kommentare am Tag bekomme – aber die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gehen sehr bewusst mit der Kommentarfunktion um.
Mit Web 2.0 wollen Sie die Zusammenarbeit in Ihrem Unternehmen optimieren. Empfehlen Sie diese Methode weiter?
Auf jeden Fall. Ich glaube, die Zeiten des Monologs sind vorbei. Früher war es doch so: Der Vorstandsvorsitzende kündigte etwas an, beispielsweise die neue Strategie in seinem eigenen Newsletter für die Mitarbeiter, und das war’s. Er bekam kein Feedback. Dabei gibt es viele sehr engagierte Beschäftigte, die sich stärker einbringen möchten. Bei uns haben sie jetzt die Möglichkeit über die Kommentarfunktion im Blog. Natürlich kann mich auch jeder Mitarbeiter per E-Mail anschreiben. Mir ist auch wichtig, dass Mitarbeiter stärker abteilungsübergreifend arbeiten. Unternehmensweite Projekte wie der Aufbau des neuen Intranets machen diese Form der Zusammenarbeit sogar unabdingbar. Neue Funktionen wir unsere Foren im Intranet unterstützen das.
Sie modernisieren derzeit nicht nur die interne Kommunikation, sondern auch Ihr Unternehmen. Was will die Deutsche BKK in Zukunft anders machen?
Wir wollen uns noch stärker an den Bedürfnissen unserer Versicherten ausrichten. Das bedeutet auch, dass wir stärker in die Versorgung Kranker investieren. Wir identifizieren Versorgungslücken und schließen diese. Es ist doch so: Ob ich eine gute Krankenversicherung habe, merke ich erst, wenn ich wirklich krank bin. Die Deutsche BKK hat schon immer gern Neues ausprobiert. In Wolfsburg und Braunschweig haben wir jetzt mobile Gesundheitsassistentinnen eingeführt. Das sind medizinisch ausgebildete Fachkräfte, die unseren Versicherten überall dort helfen, wo sie gebraucht werden: am Krankenbett, beim Arztbesuch und zu Hause. Wenn zum Beispiel ein Patient im Krankenhaus liegt und unsicher ist, wie lange er noch welche Behandlung bekommt, wie es nach der Entlassung für ihn weitergeht – dann kommt die Gesundheitsassistentin ins Spiel und klärt das. Die ersten Rückmeldungen sind übrigens sehr positiv. Die Versicherten sind begeistert von diesem Service.
Krankenkassen müssen mit begrenzten finanziellen Mitteln immer mehr ältere und kranke Menschen versorgen. Wie will die Deutsche BKK dieses Problem lösen?
Dieses Problem kann keine Krankenkasse allein lösen. Da ist die Politik gefragt. Wir brauchen eine stabile, nachhaltige und gerechte Finanzierung für das Gesundheitssystem. Natürlich entwickeln wir eigene Ideen, wie das gelingen könnte, und bringen sie in die politische Diskussion ein. Uns ist vor allem wichtig, dass ein fairer Wettbewerb zwischen den Krankenkassen möglich wird. Das geht nur, wenn die unterschiedliche Versichertenstruktur (viele junge gesunde oder viele ältere kranke Versicherte) gerecht ausgeglichen wird. Dafür muss der berühmte Morbi-RSA, das finanzielle Ausgleichssystem zwischen den Krankenkassen, weiterentwickelt werden. Wer viele Kranke versichert, muss mehr Geld für deren Versorgung bekommen. Alles andere wäre unfair.
Welche Rolle spielt der Einsatz neuer, Informations- und Telekommunikationstechnologien, um der drohenden Kostenfalle zu entkommen?
Eine große. Als Krankenkasse verarbeiten wir Sozialdaten im großen Stil. Mit rund 1 Million Versicherten haben wir eben auch 1 Million Datensätze, mit denen wir arbeiten. Unser Bestandssystem muss ständig aktualisiert und auf dem neusten Stand gehalten werden, Schnittstellen zu anderen Systemen müssen programmiert werden. Aber auch in der Kundentelefonie, deren Qualität wir durch ein eigenes Callcenter mit hochqualifizierten Mitarbeitern sichern, sind wir auf eine reibungslos funktionierende Technik angewiesen. Wir wollen für unsere Kunden stets erreichbar sein. Im Moment arbeiten wir an einem CRM-System, in dem im ersten Schritt die Kundenkontakthistorie aufgelistet wird. Dadurch können wir unsere Versicherten nachhaltiger betreuen. In den kommenden Jahren wird die Herausforderung darin bestehen, Prozesse noch mehr auf den Kunden zuzuschneiden und sie - soweit sinnvoll - zu automatisieren. Das spart Kosten. Mein Ziel ist es aber auch, dadurch Kapazitäten für die persönliche Beratung und Betreuung freizumachen. Mit anderen Worten: Neue Technologien sollen unseren Mitarbeitern Zeit sparen, die dann dem Kunden zugute kommt.