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Über den Autor

Unser Autor, 53, ist leidenschaftlicher Triathlet und Snowboarder und arbeitet seit 1990 bei der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, die elfmal vom Branchendienst „Sport intern“ zur „Sportredaktion des Jahres“ gewählt wurde.

Ungewöhnliches wagen

Deutsche verstehen Sport vor allem als „Leibesübung“. Bei Amerikanern ist das ganz anders. Michael Eder von der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ hat über den Großen Teich geschaut – und von dort bewegende Tipps mitgebracht.
Bewegung ist ein Muss, sagt uns der Arzt. Was wir ihm sagen: Sie muss Spaß machen und darf gern auch mal was Neues bieten. Es ist ja so: Die Deutschen schwimmen und laufen und radeln, wenn sie gerade mal nicht Fußball spielen, und im Winter stehen sie auf Ski. Die Amerikaner hingegen erfinden nach dem Prinzip von Versuch und Irrtum ständig neue Formen der Körperertüchtigung und haben dabei viele Treffer gelandet: Surfen, Skateboarden, Mountainbiken, Bungeejumping, Snowboarden, Aerobic, Pilates und was sonst noch alles.
Was die Amerikaner verstanden haben: Beim Sport geht es nicht um Schweißdrüsen, beim Sport geht es um Gefühle. Gefühle von Triumph und Erregung, aber auch von Ruhe und Zufriedenheit. Es geht um Stil und Eleganz, um Kraft und Erholung, um Geschwindigkeit und Langsamkeit. Um alles Mögliche. Und weil der Sport so vielfältig ist, nicht bloß den Körper formt, sondern auch den Geist, deshalb sollten wir von Zeit zu Zeit die ausgelatschten Joggingschuhe zur Seite stellen und etwas Ungewohntes wagen. Um Hamlet zu bemühen: Es gibt mehr Sportarten zwischen Himmel und Erde, als eure Fernsehwelt sich träumen lässt! Manche sind reichlich irre, viele haben ihren Reiz – und alle hoffen auf eine große Karriere auch im Land der Fußballspieler.
Da ist zum Beispiel Bikram Yoga
Eine besonders heiße Spielart des Yoga, mit der sich Fitnessfreaks wie Madonna und Barbra Streisand oder Tennisprofis wie Andy Murray und Kim Clijsters in Hochform bringen. Vom Yogameister Bikram Choudhury in Los Angeles konzipiert, dauert eine Übungsstunde fußballgenaue 90 Minuten, dabei werden 26 Übungen in einem Raum praktiziert, der mittels Radiatoren auf rund vierzig Grad aufgeheizt wird. Man turnt in Shorts und ist gut beraten, in etwa so viel Wasser mitzunehmen, als wollte man das Tal des Todes zu Fuß durchqueren.
Speedbadminton als Kalorienkiller
Schneller, härter und cooler als alles, was man bislang mit einem Schläger spielen konnte. Eine Melange aus Squash, Badminton und Tennis. Zu spielen am Strand, in Parks, in Tennishallen – und das bei jedem Wetter. Was man braucht, ist Platz, denn die „Apollo-Speeder“ genannten windstabilen Federbälle fliegen bis zu dreißig Meter weit und erreichen Geschwindigkeiten von knapp 300 Kilometer pro Stunde. Wer etwas später aus dem Büro kommt oder es aus anderen Gründen vorzieht, seinen Hobbys bei Dunkelheit und Schwarzlicht nachzugehen – kein Problem, dann heißt das Ganze nicht mehr Speedbadminton, sondern Blackminton und als Federball dient nicht mehr „Apollo“, sondern „Ufo“, ein High-Speed-Leucht-Modell. Dazu gibt es aus den installierten Boxen musikalisch ordentlich was auf die Ohren, und nicht nur die Bälle, sondern auch die Spieler leuchten, als kämen sie gerade aus einem Kernkraftwerk, dessen Laufzeit ein wenig zu optimistisch kalkuliert wurde.
Auch nicht schlecht: Blobbing
Dazu ist vorab zu sagen: Airbags sind trendy, nicht nur im Auto, auch im Sport, beim Snowboarden zum Beispiel. Die besten Halfpipefahrer der Welt haben bei den Olympischen Spielen in Vancouver zum ersten Mal „Doublecorks“ präsentiert, extreme Sprünge mit mehreren Schrauben und Drehungen fünf Meter über dem Rand der Pipe, das heißt zwölf Meter über ihrem Boden. Trainiert haben Superstar Shaun White und Kollegen die extrem gefährlichen Manöver mit Hilfe von fünf Meter hohen, 15 auf 15 Meter großen und 25 000 Euro teuren sogenannten Bagjumps, die sie an eine Trainingspipe anbauen. Die gewaltigen Absturzkissen, die aus der Stuntszene kommen, sind nicht nur für angehende Snowboardhelden eine Lebensversicherung im Training, sondern machen auch sonst Karriere im Sport. Beim Blobbing etwa liegt ein gewaltiges Kissen wie eine Riesenzigarre in einem See oder am Meer, von einem nebenstehenden Turm springen zwei Menschen darauf, und der Luftdruck schießt einen Dritten, der am vorderen Rand der Zigarre sitzt, in die Luft wie eine Rakete in Cape Canaveral. Das ist etwas für Mutige, ein dicker Spaß auf jeden Fall. Rettungsweste wird empfohlen.
Penspinning
Wer es ruhiger mag, mehr auf Geschicklichkeit setzt denn auf Adrenalin, dem sei PenSpinning empfohlen. Kommt aus Japan, wurde in den USA von Fernando Kuo alias „Kam“ mit viel Fingerspitzengefühl zum Kult verfeinert und ist nichts anderes als eine virtuose Form des Stiftdrehens. Es gibt jede Menge Tricks, den Thumbaround zum Beispiel, den Sonic, den Fingerpass oder den Charge, die von Könnern möglichst fließend miteinander verbunden werden. Mit PenSpining lässt sich die Feinmotorik trainieren – und nebenbei im Büro ordentlich Eindruck schinden.
Zum Abschluss ein Tipp
Wer nicht ständig Trends hinterherlaufen will, ein Rennrad und ordentlich Kondition besitzt, der nehme sich ein paar Tage frei, reise nach Frankreich und fahre mit dem Rennrad von Saint Michel-de-Maurienne über den Telegraph zum Gipfel des Galibier. Das sind dreißig Kilometer abseits aller Trends, die Sie garantiert niemals vergessen werden.