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Vita

Don Tapscott
Don Tapscott ist Autor von 14 Büchern, darunter „Macrowikinomics: Rebooting Business and the World” (zusammen mit Anthony D. Williams). Der Kanadier ist Professor an der Rotman School of Management, University of Toronto.

Zitat

„Beim Cloud Computing geht es darum, dass wir der Integrität seiner Anbieter vertrauen wollen.“
Prof. Don Tapscott,
IT –Strategieberater
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Cloud Services – eine Frage des Vertrauens?

An Glaubwürdigkeit, Integrität und Verantwortungsbewusstsein von Cloud-Services-Anbietern können Unternehmen sehr schnell die Spreu vom Weizen unter den IT-Providern trennen. Ein Warnhinweis auf Firmen, die sogenannte „weiche Faktoren“ nicht zum festen Bestandteil ihrer DNA machen.
Cloud Services
Im Industriezeitalter des 20. Jahrhundert war die wachsende Infrastruktur durch Straßenbau, flächendeckende Stromversorgung und den Ausbau landesweiter Telefonnetze der Antrieb unserer Wirtschaft und die Basis zunehmenden Wohlstands und sozialer Standards in vielen Ländern.
In der Infrastruktur von heute beschleunigt vor allem das Internet mit seinen Clouds den Stoffwechsel unserer Wirtschaft. Aber obwohl sich immer mehr Cloud Services als solide, zuverlässig und sicher herausstellen, sind nicht wenige Unternehmen immer noch skeptisch, der Cloud zu vertrauen.
Denn bei Cloud Computing geht es um mehr als Vertrauen in stabile Hardware, Netzwerke und Software-Services. Es geht darum, dass wir der Integrität der Anbieter vertrauen wollen.Von diesen Unternehmen erwarten Cloud-Nutzer – egal, ob es sich um Geschäftsleute, Aktionäre, Kunden, Mitarbeiter oder die breite Öffentlichkeit handelt –, dass sie eine Vorbildfunktion wahrnehmen und sich als beispielhafte Mitglieder unserer Gesellschaft beweisen.
Beispiel Facebook. Unbestritten ist die Plattform heute einer der bedeutendsten Cloud-Services-Provider der Welt, bewegt sich aber in vielerlei Hinsicht auf unsicheren Gewässern. Auf der einen Seite gilt Facebook bei vielen Hundert Millionen Privatmenschen als vertrauenswürdig und bietet eine Vielzahl an Funktionen. Neue Bedürfnisse der Anwender werden zudem schnell registriert und umgesetzt. Vielleicht gerade deshalb beobachten aber auch viele User die Social-Media-Plattform mit Misstrauen und fragen sich: „Wie aufrichtig sind Facebooks Beteuerungen, meine Daten würden selbstverständlich geschützt?“ So nährt die Plattform selbst immer wieder Zweifel daran, besonders sorgsam mit den Persönlichkeitsrechten ihrer Nutzer umzugehen. Etwa mit willkürlich erscheinenden Änderungen der Benutzeroberfläche oder beharrlichen Versuchen, den Usern immer weitere persönliche Informationen zu entlocken.
Sicher ist: Das letztlich überschaubare Vertrauen, wie es Facebook im Business-to-Consumer-Bereich genießt, und das daraus resultierende Image wären für Unternehmen, die Cloud-Enterprise-Services anbieten, völlig inakzeptabel. Denn geschäftliche Anwendungen und geschäftskritische Daten jeder Art vertragen keinen Zweifel daran, dass Unternehmen ihre Informationen in sichere Hände begeben.
Konkret bedeutet Vertrauen hier: Nur eine makellose Glaubwürdigkeit und ein hohes Maß an Verantwortungsbewusstsein schaffen die Vertrauensbasis, die Provider und Geschäftskunden brauchen. Dazu gehören klare und verbindliche Vereinbarungen. Ein Leistungsmerkmal wie 99,999 Prozent Verfügbarkeit relativiert sich, wenn die Daten nicht gleichzeitig hochsicher und geschützt sind. Cloud-Provider werden mehr als alle anderen IT-Unternehmen daran gemessen, inwieweit sie sichere und zuverlässige Services anbieten.
Denn durch das Internet leben wir im Zeitalter totaler Transparenz. Schon im Interesse der eigenen Zukunfts- und Wettbewerbsfähigkeit müssen Unternehmen erkennbar machen, dass Integrität für sie ein fundamentaler Baustein ist. Und das gilt nicht nur für Cloud-Provider. So wird unsere Gesellschaft allerorts hellhörig, wenn Unternehmen offenkundig eine Aura von Seriosität und Verantwortung kultivieren, die zum gelebten Unternehmensalltag gar nicht passt. Ob es sich um das Verhalten Mitarbeitern gegenüber handelt, um Verhandlungen mit Partnern, die Veröffentlichung von Finanzinformationen oder ein Statement zur Umweltverträglichkeit einer neuen Fabrik. Im Klartext: Unternehmen müssen ihre Versprechen an der Wahrheit messen lassen.
Das ist das gesellschaftliche Klima, auf das IT-Provider treffen, die für das Konzept von Cloud Computing um Vertrauen werben. Die Vorteile der Wolke liegen auf der Hand. Die Cloud führt eingefahrene Unternehmensprozesse zu neuem Tempo, erhöht die Flexibilität, senkt Kosten und wird vor allem durch neue Formen der Collaboration zum Treiber von Innovationen.
Aber alle Vorteile der Cloud werden pulverisiert und die gesamte Cloud-Industrie geschädigt, wenn ein Rechenzentrumsbetreiber zulässt, dass seine Server gehackt werden und womöglich Millionen sicherheitsrelevanter Unterlagen unkontrolliert durch die Online-Welt geistern. Da bekommt Disaster Recovery eine völlig neue Dimension. Gleiches gilt, wenn ein Provider sich nicht an seine eigenen Datenrichtlinien hält.
Vorfälle wie diese lassen viele Unternehmen davor zurückschrecken, ihre sensiblen Daten und Geschäftsprozesse einem Cloud-Provider anzuvertrauen. Bin ich von nun an komplett abhängig? Muss ich so viele Befugnisse abgeben und mich ohnmächtig einem Service-Provider ausliefern? Es gibt unzählige und vollkommen legitime Bedenken.
Die Weiterentwicklung noch schnellerer und verlässlicherer Hardware- und Softwarekomponenten geht beim Cloud Computing Tag für Tag mit halsbrecherischer Geschwindigkeit voran. Die größte Herausforderung für die Cloud-Industrie lauert aber woanders: Anbieter müssen zeigen, dass Glaubwürdigkeit ein Teil ihrer Unternehmens-DNA ist. Und dass jedes Vertrauen in sie gerechtfertigt ist. Ausnahmslos. Und immer.