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Vita

Stefan Huegel (42) ist seit 2010 stellvertretender Chefredakteur der „Computerwoche“. Darüber hinaus verantwortet er die strategische Weiterentwicklung der Online-Auftritte der IDG Business Media.
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„Vertrauen ist der Anfang von allem.“

Dass es ausgerechnet eine deutsche Großbank war, die sich diesen Satz Anfang der 90er-Jahre als Werbeslogan auf ihre Fahnen schrieb, erscheint im Kontext der aktuellen Finanz- und Währungskrise denkwürdig. Dennoch: Vertrauen schaffen ist wichtig. Gerade dort, wo Neues beginnt.
Stefan Huegel
Diese Erkenntnis gilt nicht nur für die Finanzwelt, sondern auch für die IT-Branche. Dennoch locken die Anbieter von Cloud-Computing-Lösungen Anwender lieber mit harten Fakten statt mit vertrauenschaffenden Argumenten. Mit einem Plus an Flexibilität etwa. Oder niedrigen Kosten für den Unterhalt der „cloudifizierten“ IT und einer stärkeren Konzentration auf die Kernkompetenz.
Nüchtern betrachtet, spricht tatsächlich vieles für die Auslagerung von Daten und Services in die Wolke. Und auch der allgemeine Paradigmenwechsel innerhalb der Unternehmens-IT, immer größere Anteile der Wertschöpfung an externe Dienstleister zu übertragen, müsste den Anbietern von Cloud-Services eigentlich in die Karten spielen.
Doch die Realität sieht anders aus. Entgegen aller inszenierten Euphorie klafft die Kluft zwischen den technischen Möglichkeiten und dem praktischen Interesse der Anwender in der Cloud auf frappierende Art und Weise. Nur wenige Unternehmen haben sich bisher für die Auslagerung geschäftskritischer Daten und Services in die Wolke entschieden.
Die Gründe hierfür versteht, wer das Dilemma kennt, in dem sich IT-Verantwortliche seit Jahren befinden. IT -Leiter sind gefangen im stetigen Zwiespalt, das Business ihrer Unternehmen mit neuen Lösungen und effizienten Strukturen voranzubringen, andererseits aber auf unternehmerische, regulatorische und gesetzliche Vorgaben Rücksicht nehmen zu müssen. Im Sturm der Veränderungen gilt es für IT-Verantwortliche, einen kühlen Kopf zu bewahren, Hypes kritisch gegenüberzustehen und sich dennoch nicht stur Innovationen zu verweigern. Entscheidend ist herauszufinden, welche Technologien das eigene Geschäft am besten unterstützen, ohne es zu gefährden.
In diesem Kontext erwarten Anwender von der Cloud-Industrie klare Antworten auf Fragen der Rechtssicherheit, der Flexibilität und der tatsächlichen Kosteneffizienz sowie eine gehörige Portion Mitverantwortung.
Im Idealfall, so die Hoffnung vieler Anwender, übernehmen Cloud-Provider einen Teil der Verantwortung für die Einhaltung von Security- und Compliance-Aspekten und garantieren diese verbindlich durch entsprechende SLAs. Aber nur langsam beginnen die großen Cloud-Anbieter, rechtskonforme Sicherheits- und Datenschutzkonzepte für die Cloud vorzulegen. Das schafft Zweifel, kein Vertrauen.
Hinzu kommt die noch mangelnde Flexibilität vieler Cloud-Offerten. Diese werden heute oftmals noch „von der Stange“ angeboten. Statt individueller Betreuung erwarten den Anwender hoch standardisierte Produkte und Services, die den Interessen vieler Kunden gerecht werden müssen, aber nur bedingt auf Individualbedürfnisse eingehen. Das schafft Enttäuschung, kein Vertrauen.
Und auch hinsichtlich der Kostenillusion, die Daten- und Service-Wolke entlaste IT-Budgets großflächig und generiere Kosten nur noch im Pay-as-you-go-Modell, plagen den Anwender in Ermangelung erfolgreicher Referenzprojekte vehemente Zweifel.
In diesem Kontext beschreibt Managing Trust als Leitthema der CeBIT 2012 in vortrefflicher Weise die größte Herausforderung, um Unternehmen für die Cloud zu begeistern: Antworten liefern, Zweifel beseitigen und Vertrauen schaffen. Vertrauen ist der Anfang von allem. Die große deutsche Bank hatte recht.